Orcas im Mittelmeer bei Genua und Sizilien gesichtet

von | 16. Januar 2020 | News - Delfine

Das erste Mal wurden Schwertwale in der Straße von Messina entdeckt

Orcas, die man auch als Schwert- oder Killerwale bezeichnet (Orcinus Orca), kommen fast in allen Weltmeeren vor. Allerdings treten sie in (sub-)tropischen Gegenden kaum auf. Besonders viele Populationen gibt es in nördlichen Gewässern, vor allem im Nordpazifik, Nordatlantik und den Polarmeeren. Im Dezember wurden einige Orcas im Mittelmeer entdeckt, genauer gesagt zunächst bei Genua und später zwischen der Insel Sizilien und dem italienischen Festland.

Bei Orcas handelt es sich um Delfine

Anders, als es Namen wie „Schwertwal“ oder „Killerwal“ vermuten lassen, gehören Orcas ebenfalls zu den Delfinen (Delphinidae). Dabei sind sie die größten Delfine ihrer Gattung, sie können eine Größe von bis zu 10 m und ein Gewicht von über zu 6.000 kg erreichen. Besonders auffällig sind die männlichen Tiere: Sie haben eine bis zu 1,80 m große Rückenfinne, durch die man sie gut von ihren weiblichen Artgenossen unterscheiden kann.

Ungewöhnlich ist es, dass im Dezember 2019 einige Orcas im Mittelmeer angetroffen wurden. Zwar gibt es durchaus auch Sichtungen in der Straße von Gibraltar, die den Atlantik mit dem Mittelmeer verbindet. Die Orcas halten dort sich in den Sommermonaten zwischen Juli und August auf, um dort ihre Leibspeise, den Roten Thunfisch (Thunnus thynnus), zu jagen. Aber in der Meerenge sind die Tiere für gewöhnlich eher im Bereich des Atlantiks anzutreffen. Umso erstaunlicher ist es, dass einige Orcas so weit ins Mittelmeer geschwommen sind.

Fotocredit: © Stiftung Firmm

Totes Orcababy im Mittelmeer

Wissenschaftler konnten die Wale nun eindeutig identifizieren: Laut Aussage der Forscher sind es folgende Tiere: Riptide (Sn113), Aquamarin (Sn116) sowie Dropi (Sn115). Eigentlich handelt es sich bei diesen Orcas um eine Population, die sich vor Island aufhält. Das bedeutet, dass diese Wale rund 5.000 km Strecke geschwommen sind. Experten gehen davon aus, dass die Tiere krank sein könnten und deshalb von Island nach Italien gekommen sind. In der Gruppe hat sich auch eine Orcamutter (Sn114) aufgehalten, deren Kalb offenbar am 1. Dezember gestorben ist, als die Schwertwale im Hafen von Genua angekommen sind. Die Mutter hielt das Baby tagelang über Wasser. Ein italienischer Fischer hat sogar behauptet, er habe die Orcamutter mit zwei Kälbern beobachten können, doch die Forscher konnten nur eines sichten.

Der italienische Umweltminister Sergio Costa unterzeichnete binnen kürzester Zeit eine Verordnung, die es Neugierigen untersagen sollte, sich den Orcas mit Booten oder beim Tauchen zu nähern.

Orcaweibchen L72 der Southern Residents bei ihrer Trauer um ihr verstorbenes Jungtier Fotocredit: Robin W. Baird

Orcas gehören zu einer größeren Population

Die Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass diese Orcas zu einer eigentlich deutlich größeren Gruppierung von 40 Walen gehören, die Anfang November die Straße von Gibraltar verlassen haben. Erstaunlich ist, dass die Meeressäuger eine Strecke von knapp 800 km binnen kürzester Zeit zurücklegen konnten, denn nachdem sie zunächst in Genua, im Nordwesten Italiens gesichtet wurden, konnte man sie einige Tage später in der Meerenge von Messina zwischen der Insel Sardinien und dem italienischen Festland ausmachen. Wer die Tiere entdeckt, soll sich ihnen nicht nähern, sondern sofort die Küstenwache verständigen.

Orca (Pixabay)

Aufenthalts der Orcas im Mittelmeer ist überraschend

Dass die Tiere soweit ins Mittelmeer hineinschwimmen, ist zwar für die Wissenschaft äußerst interessant zu beobachten, aber gleichzeitig auch eine sehr besorgniserregende Entdeckung. Möglich ist durchaus, dass die Tiere erkrankt sind und deshalb vielleicht wärmere Gewässer aufgesucht haben. Denkbar ist allerdings auch, dass die Tiere immer häufiger weiter schwimmen müssen, um Nahrung zu finden. Außerdem ist es möglich, dass sie durch den Lärm (etwa durch Schiffsmotoren oder Ölförderung im Meer) die Orientierung verloren haben. Bei Orcas handelt es sich um Zahnwale, die sich mithilfe ihres Sonars zurechtfinden. Immer mehr Wale stranden, weil sie zu viel Plastik fressen und dadurch verhungern – oder auch, weil sie ihre Orientierung verlieren.

Die Sichtung der Orcas so weit im Mittelmeer stellt also keineswegs einen freudigen Anlass dar, sondern zeigt vielmehr auf, dass die Tiere sehr wahrscheinlich durch Umwelteinflüsse neue Gebiete aufsuchen müssen, um zu überleben.

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