Totfunde und Sichtungen im Jahr 2022: Aufatmen bei den Adria-Delfinen

von , | 11. Januar 2023 | News - Kroatien

Projektbericht 2022: „Rettung der letzten Adria-Delfine“

Von 2018 bis 2021 wurden in der nördlichen Adria kontinuierlich mehr Delfinkadaver gemeldet – dieser Negativtrend stoppte im vergangenen Jahr glücklicherweise. Das geht aus dem aktuellen Bericht über die Entwicklung des Projekts „Rettung der letzten Adria-Delfine“ der Meeres- und Delfinschutz-Organisation „Val“ und der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Zagreb hervor. Dennoch schmerzt jeder gemeldete Totfund, da die Population nach wie vor stark gefährdet ist.

Totfunde der vergangenen Jahre

Im vergangenen Jahr wurden der Tiermedizinischen Fakultät Zagreb insgesamt 24 Delfinkadaver zwischen Pula im Norden und Otok Sipan im Süden von Kroatien gemeldet. Erstmals seit 2018 hat sich damit die Zahl der Totfunde gegenüber dem Vorjahr nicht erhöht. 2021 wurden an den Küsten der kroatischen Adria noch 28 verstorbene Delfine gezählt. In Addition ergibt sich eine Gesamtzahl von 154 toten Delfinen in den vergangenen sechs Jahren. Natürlich muss berücksichtigt werden, dass möglicherweise nicht alle Kadaver entdeckt wurden.

Die Population der Adria-Delfine wurde vor über 20 Jahren auf rund 220 Tiere geschätzt. Aktuelle Daten zur zahlenmäßigen Entwicklung der Population kann auch Projektleiterin Martina Đuras von der Uni Zagreb nicht nennen. (Lesetipp: Delfin-Jagd: Skrupelloses Dolphin Watching in der Adria)

Toter Streifendelfin treibt an der Küste der Insel Korcula.

Fundorte der Delfinkadaver (blau: Großer Tümmler / gelb: unbekannte Delfinart / rot: Streifendelfin)

Todesursachen: Mindestens zwei Delfine sterben in Fischernetzen

Laut Statistik handelt es sich bei den Totfunden des vergangenen Jahres um 14 Große Tümmler – dies ist die in der Adria vorherrschende Population – vier Streifendelfine sowie um sechs Delfine, bei denen die Art nicht identifiziert werden konnte. Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Tieren ist ausgeglichen.

Zur Todesursache gibt es in vielen Fällen keine genaueren Informationen, da seitens der kroatischen Regierung in den vergangenen Jahren die Finanzierung der lokalen Tierärzte und anderer Ämter reduziert wurde. Projektleiterin und Veterinärmedizinerin Dr. Martina Đuras informiert darüber hinaus, dass es in manchen Regionen organisatorische Probleme gibt, die bis dato nicht geklärt werden konnten. Bereits im vergangenen Jahr berichtete sie von Schwierigkeiten beim Transport und Aufladen der Delfinkadaver. 

Bergung eines toten Adria-Delfins.

Dieser Große Tümmler wurde durch ein Fischernetz getötet. Es hängt noch aus seiner Schnauze.

In zwei Fällen war die Todesursache allerdings so deutlich, dass es keiner eingehenden Obduktion bedurfte: Im Januar erstickte in Krbuni ein Großer Tümmler, nachdem sich sein Kopf in einem Fischernetz verfangen hatte. Im Mai starb ein weiterer Großer Tümmler als Beifang in einem Fischernetz (siehe Fotos).

Bergung eines toten Adria-Delfins.

Durch Beifang kam dieser Große Tümmler ums Leben. Bei der Obduktion wurde sein Magen untersucht:

Bergung eines toten Adria-Delfins.

Zum Vorschein kamen über 30 unverdaute Fische – deutliches Indiz für einen Fall von Beifang.

Citizen Science Projekt „Adria-Delfine – bitte melden!“

Seit vielen Jahren ruft die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. Kroatien-UurlauberInnen dazu auf, sich als BürgerforscherInnen für das Adria-Projekt zu engagieren. Sichtungen von Delfinen, Mönchsrobben, Meeresschildkröten, Haien aber auch Thunfischen können online gemeldet werden. Die Gesamtzahl der Sichtungsmeldungen bewegte sich mit rund 400 im vergangenen Jahr leicht unterhalb des Niveaus von 2021. Wie zu erwarten war, entfiel auf die Gruppe der Großen Tümmler (360) die Mehrzahl der Meldungen. Diese wurden mitunter in Schulen von 40 bis 50 Tieren angetroffen. Darüber hinaus gab es Sichtungen von weiteren Delfinarten und Walen (22) sowie von Meeresschildkröten (19).

Begleitend zu den Sichtungsmeldungen wurden uns auch im vergangenen Jahr wieder viele eindrucksvolle Bilder und Videos zugeschickt. Letztere findet ihr auf dem GRD-Youtube-Kanal in der Playlist „Delfinschutzprojekt (Adria).

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Sichtungsmeldungen von Delfinen, Meeresschildkröten und Walen in der Adria (oben); Video eines springenden Delfins im Rahmen des Citizen Science Projekts „Adria-Delfine – bitte melden!“ (rechts)

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Studium der Tiermedizin und Feldforschungsstation Molat

Im Rahmen des Diplomstudiums der Tiermedizin wurde 2022 an der Uni Zagreb das Wahlfach „Biologie und Schutz der Meeressäuger“ angeboten und durchgeführt. Zudem wurde eine wissenschaftliche Studentenarbeit zum Thema Meeressäugerforschung publiziert und unsere Projektpartner haben im Juni Workshops zum Thema Delfinschutz und -forschung für SchülerInnen von Grund- und Realschulen organisiert. 

Das Zentrum für Schutz und Forschung der Meeressäuger auf der Insel Molat war im vergangenen Jahr insgesamt fünf Wochen geöffnet. Ermöglicht wurde die Arbeit der Feldforschungsstation durch den Einsatz von Volontären, die den Info-Point betreut haben. BesucherInnen gab es im vergangenen Jahr keine.

 

Einmal mehr danken wir allen, die mit ihren Spenden, einer Patenschaft für einen Adria-Delfin oder mit ihren Sichtungsmeldungen tatkräftig mithelfen, die gefährdete Population besser zu schützen.

Fotos: Martina Duras

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STRELICA

Strelica (Pfeil) wurde gemeinsam mit den Patendelfinen Dobro Jutro und Poveliki beim Wellenreiten beobachtet.

VESELJAK

Veseljak (Spaßvogel) verdankt seinen Namen seiner schier unbändigen Lust an akrobatischen Sprüngen. Oft hielt er mit seiner Energie den Rest der Delfingruppe "auf Trab".

LUNA

Luna wurde im Juli 2015 vom "Adriatic Dolphin Observer" Werner Kellerer in der südlichen kroatischen Adria vor Slano identifiziert.

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