Alleinerziehende Delfinmütter haben es schwerer

Sozialverhalten

Alleinerziehende Delfinmütter haben es schwerer

Gute soziale Kontakte sind wichtig

Delfinweibchen der Art Großer Tümmler, die sich Jungenaufzucht und Erziehung mit erfahrenen Delfinmüttern teilen, haben bessere Chancen, ihren Nachwuchs durchzubringen, als Mütter, die mehr oder weniger auf sich selbst gestellt sind. Gute soziale Kontakte sind wichtig, um den Fortpflanzungserfolg sicherzustellen und ein Delfinbaby über die kritischen ersten drei Lebensjahre zu bringen, denn der Erfolg bei Jungenaufzucht hängt nicht allein von genetischen, sondern auch stark von sozialen Faktoren ab.

Langzeitstudie in der Shark Bay

Dies trifft zumindest für die Großen Tümmler zu, die von einer internationalen Gruppe von Verhaltensforschern in einer groß angelegten Studie von 1984 bis Ende 2010 in der Shark Bay vor der Westküste Australiens beobachtet wurden. Mit ihrer Studie wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob soziale Komponenten wie die Gruppenstruktur oder eher genetische Faktoren ausschlaggebend für den Erfolg der verschiedenen, beobachteten Delfinweibchen bei der Jungenaufzucht sind.

Mittels DNA-Proben klärten die Forscher zunächst die Verwandtschaftsverhältnisse der Meeressäuger, genaue Verhaltensanalysen lieferten ergänzend dazu wichtige Erkenntnisse über die komplexe und mit ihren sich stetig verändernden Gruppengrößen sehr verwirrend aufgebaute Fission-Fusion-Sozialstruktur.

Mütter müssen sehr viel Zeit in Aufzucht und Erziehung ihrer Jungen investieren

Für ihre Auswertung zogen die Biologen allerdings nur die Daten von 52 Delfinweibchen heran. Sie überprüften, wie viele ihrer Jungtiere bis zum Alter von drei Jahren überlebten, denn bis dahin sind die Kleinen fast vollständig von der Mutter abhängig. Um die verschiedenen Einflüsse – genetische und/oder soziale – auf den Erfolg der Jungenaufzucht zu unterscheiden, wurde ein kompliziertes Berechnungssystem eingesetzt. Das Ergebnis ist im Grunde nicht wirklich überraschend: Am erfolgreichsten erwiesen sich die Delfinmütter, die durch weibliche Verwandte und Freundinnen unterstützt wurden, die ihrerseits gute Mütter waren – eine gute genetische Ausstattung ist zwar auch wichtig, genügt allein aber nicht.

Wie andere, ganz oben in den marinen Nahrungsnetzen agierende Raubtiere, z.B. Haie oder Thunfische, weisen Große Tümmler einen recht langsamen Lebenszyklus mit spät einsetzender Geschlechtsreife auf. Und ähnlich wie bei Menschenaffen vermehren sich Delfine nur in großen Abständen, haben dabei wenig Nachwuchs und die Mütter müssen sehr viel Zeit in Aufzucht und Erziehung ihrer Jungen investieren.

Daher können Jahrzehnte ins Land gehen, bis sich regional ortsansässige, residente Delfinpopulationen von den Folgen hoher Beifangverluste durch die Fischerei oder Verlusten durch direkte Jagd erholen und ihre ursprüngliche Populationsgröße wieder erreichen. Sind nur noch wenig vermehrungsfähige Weibchen in der Population vorhanden, drohen ihr die bei Delfinen noch unerforschten Gefahren eines „bottleneck effect“ – des gefürchteten genetischen Flaschenhalseffekts.
Foto oben: Ulrike Kirsch

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