Nicht nur eine gute Tat für „Deutschland-Wale“

von | 10. Februar 2021 | News - Geisternetze

Ostsee-Schweinswale brauchen unseren Schutz

In den letzten Wochen schien es etwas ruhiger um unser erfolgreiches Geisternetzbergungsprojekt rund um Rügen. Aber das täuscht und bedeutet keinesfalls, dass wir untätig waren. Im Gegenteil: Unser Projektpartner Wolfgang Frank von der Tauchbasis Prora vollbrachte noch im alten Jahr gleich an mehreren Tauchtagen gute Taten für Schweinswale und alle anderen Ostsee-Bewohner, denn er konnte einiges an Fischereifanggeräten bergen. Insgesamt gelang es uns bislang, in einem Zeitraum von knapp über einem Jahr, gemeinsam über fünf Tonnen herrenlose Fischernetze, sogenannte Geisternetze, zu bergen. Das ist ein großartiger Erfolg für den Ostsee- und Schweinswal-Schutz!

An Weihnachten Gutes tun

Der Tauchbasenleiter tauchte am 23. Dezember bei vier Grad Celsius Wassertemperatur ab und entdeckte Reste eines Schleppnetzes. Das Geisternetz liegt in ca. zehn Metern Tiefe auf dem Grund. Das Netz wurde anhand der GPS-Daten verortet und für eine zukünftige Bergung markiert. Um das Geisternetz aus dem Wasser zu hieven, braucht es ein Schiff mit einem Bergungs-Kran, denn das Schleppnetz ist schätzungsweise eine Tonne schwer. Leider kann es erst geborgen werden, wenn eine Zusammenarbeit im Team wieder möglich ist.

Damit nicht genug, denn auch am zweiten Weihnachtsfeiertag gelang es Wolfgang, Reste eines Geister-Stellnetzes zu bergen, das sich unter Wasser an einem Baum verhakt hatte und in der Strömung schwebte. Schwebend stellte es eine Gefahr für das fragile Ökosystem in der Ostsee dar. Denn Fische, Kegelrobben und unsere kleinen „Deutschland-Wale“ können sich in ihm verfangen und qualvoll darin sterben.

Echolokation der Schweinswale

Der Grund, dass Schweinswale sich in Stellnetzen verfangen und darin ertrinken, hängt mit ihrer Echolokation zusammen. Über Echolokation entdecken die Kleinwale ihre Umgebung. Schweinswale senden ein akustisches Signal aus und anhand des Echos, das von einem Stein oder einem Fisch o.ä. wieder zurückgeworfen wird, können die Meeressäuger erkennen, was sich in ihrer Umgebung befindet. Die Stellnetze sind aber ein Problem, denn sie bestehen aus ganz dünnem Nylongarn (sogenanntes Monofilament) und werfen nur ein schwaches Echo zurück, das die bedrohten Wale nicht gut wahrnehmen können und so in die Todesnetze geraten. Wolfgang entschärfte umgehend diese Gefahr für die Meeressäuger und entfernte den Müll aus der Ostsee.

Ein weißer Schweinswal liegt tot an der felsigen Küste von Fehmarn.

Toter Schweinswal im Stellnetz von Krzysztof E Skora Hel Marine Station

Weiter geht’s im neuen Jahr

Kurz nach Neujahr, also am 3. Januar und zuletzt am 24. Januar machte unser Kooperationspartner das, was er am liebsten tut: Wolfgang ging tauchen, um Geisternetze aufzuspüren! Mit seinem Tauchkollegen gelang es den beiden Rügenern eine Reuse mit Netz und Reste eines kleinen Schleppnetzes zu bergen. Ein schöner Erfolg, denn durch die gute Tat der beiden Taucher wurde erneut ein Gefahrenherd für Meerestiere entschärft und Meeresplastik geborgen.

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Steter Tropfen…

„Gutta cavat lapidem“ – Ein steter Tropfen höhlt den Stein. Bereits die Römer verwendeten diese Redewendung, die bedeutet, dass Geduld und Ausdauer meist besser zum Ziel führen, als ein einmaliger, kraftvoller Versuch. Jedes Jahr werden laut Schätzung des WWF Polen 5.000 bis 10.000 Netze und Netzteile neu in die Ostsee eingetragen. Das zeigt, dass man kontinuierlich dranbleiben muss!

Ein weißer Schweinswal liegt tot an der felsigen Küste von Fehmarn.

Verendeter Dorsch in Fischernetzresten. Foto: Wolf Wichmann

Gute Taten für „Deutschland-Wale“

Mit „Deutschland-Wale“ sind die Schweinswale der zentralen Ostsee gemeint. Die Meeressäuger sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Maximal 300 Individuen fasst die Population noch. Sie gehört zu den in Europa am stärksten gefährdeten Kleinwalpopulationen! Bis heute sterben sie viel zu häufig in den Stellnetzen der Fischer als Beifang und auch die verloren gegangenen Geisternetze stellen für die kleinen Wale eine große Gefahr dar. Jedes Geisternetz das geborgen wird, ist ein Netzteil weniger in der Ostsee.

Mit Ihrer Unterstützung, z.B. mit der Übernahme einer Patenschaft für Ostsee-Schweinswale, konnten wir seit Beginn unseres Ostsee-Projekts in Kooperation mit der Tauchbasis Prora und Ostsee24.de, viele gute Taten vollbringen und bereits über fünf Tonnen Geisternetze aus der Ostsee holen.

Dafür danken wir Ihnen sehr!

 

Das Projekt wird gefördert von:

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