Meeresverschmutzung

Gefahren für Delfine

Gefahren für Delfine: Meeresverschmutzung

Müll

Schätzungen des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge befinden sich bis zu 142 Millionen Tonnen Müll in den Weltmeeren und bis zu 18.000 Plastikmüllpartikel treiben auf einem Quadratkilometer Meeresoberfläche. An Stränden der südlichen Nordsee finden sich im Durchschnitt 236 Müllteile auf 100 Meter Strandlinie und auf dem Meeresboden der Nordsee durchschnittlich 11 Kilogramm Müll pro Quadratkilometer. In der Ostsee geht man von jährlichen Verlusten von bis zu 10.000 Fischereinetzen aus, die über lange Zeiträume herrenlos weiterfischen und töten können.

Doch die Deponie Ozean bietet Platz für mehr: Chemikalien, Ballastwasser aus Schiffstanks, radioaktive Abfälle, Hausmüll, Abwässer aus Städten und Industrieanlagen, Netzreste und Munition bis hin zu kompletten Kernreaktoren der russischen U-Bootflotte. Die gesamte derzeit in den Ozeanen vorhandene Abfallmenge wird auf über 100 Millionen Tonnen geschätzt. Und jedes Jahr kommen bis zu 6,4 Millionen Tonnen hinzu. Dreiviertel aller Abfälle sind Plastikteile oder -partikel.

Nach Berechnungen der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) hatten 2012 mindestens 663 Meerestierarten regelmäßig in Kontakt mit Abfällen, 1997 waren es nur 247 Arten. Vor allem mit Verpackungsmaterialien, sowie an den Resten von Fischernetzen können sich Tiere strangulieren. Verschlucken sie die Plastikteile oder Netzreste, kann dies zu inneren Verletzungen oder Verhungern führen. Besonders betroffen sind hiervon Seevögel, Fische und Meeressäuger.

News Meeresverschmutzung

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Plastikmüll vergiftet die Weltmeere

Edgar Allen Poe würde heute wohl eher über einen „Sturz in den Müllstrom“ denn von einem in einen Mahlstrom erzählen. Denn die Meere drohen an dem, was bei der Zivilisation hinten heraus kommt, zu ersticken.

Von den jährlich mehr als 125 Millionen Tonnen Kunststoff, die wir produzieren, landet ein beträchtlicher Teil im Meer. Plastikabfälle werden nicht nur an Stränden zurückgelassen, von Schiffen aus ins Wasser geworfen oder gezielt im Meer als Abfallbeseitigung versenkt. Ein beträchtlicher Anteil wird von Flüssen und Wind ins Meer geschwemmt und getragen. Hätten Kolumbus und seine Männer ihre Lebensmittel schon in Plastiktüten aufbewahrt – die Reste davon würden sich noch heute an Amerikas oder, je nach Strömungslage, auch an viel weiter entfernten Stränden finden. Insofern haben die Meere sogar noch Glück, dass sich Plastik, als wesentlicher Bestandteil der industriellen Wegwerf-Gesellschaft, erst seit dem vergangenen Jahrhundert bei den Menschen so großer Beliebtheit erfreut.

Über 500 Jahre im Stoffkreislauf

Es gibt nicht viele Zivilisationsprodukte, die derart hartnäckig im Stoffkreislauf verbleiben wie Plastikabfälle. Über mehrere hundert Jahre gefährden die Abfälle auf vielfältige Weise Menschen und Tiere, vergiften großflächig die Ozeane. Meerestiere fressen Plastikteile, weil sie sie für Beute halten, verheddern und strangulieren sich.

Experten gehen davon aus, dass jährlich eine Million Seevögel, 100 000 Meeressäuger und unzählige Fische an Plastikmüll verenden. Auf den Inseln des Midway-Atolls im Pazifik stirbt etwa ein Drittel aller Albatross-Jungen, weil ihre Eltern sie versehentlich mit Plastikabfällen füttern. Die Jungvögel verhungern mit gefüllten Mägen voller Plastikteile. Ein Blutzoll, den die betroffenen Arten nicht mehr lange werden verkraften können.

Ein Müll-Mahlstrom so groß wie Zentraleuropa im Pazifik

Etwa 70 Prozent des Mülls sinkt auf den Meeresboden, der Rest verbleibt in den Meeresströmungen und sammelt sich in teilweise gigantischen Müll-Mahlströmen, so im Gebiet der Äquatorialen Konvergenzzone, einer wenige hundert Kilometer breiten, den Erdball auf Höhe des Äquators umspannenden Tiefdruckrinne. Der mit Abstand größte Müll-Mahlstrom kreist im Pazifik, zwischen der Westküste der USA und Hawaii. Die dort im Uhrzeigersinn zirkulierende Mülldeponie ist mittlerweile so groß wie Zentraleuropa, sie wird deshalb auch „Great Pacific Garbage Patch“ (Großer Pazifischer Müllteppich) genannt.

Auch Europa und das Mittelmeer sind betroffen

Doch man muss gar nicht so weit in die Ferne schauen. Ende April 2007 wartete die britische Marine Conservation Society mit alarmierenden Zahlen auf: An den Küsten und auf den Stränden der britischen Inseln stieg die Zahl der Abfälle seit 1994 um 90 Prozent, mit steigender Tendenz, Strände sehen aus wie Mülldeponien, trotz regelmäßiger Strandsäuberungsaktionen durch Freiwillige. Die Organisation Mittelmeer in Gefahr (MED – www.expeditionmed.eu) führte im Sommer 2010 eine Forschungsexpedition durch, die Erschreckendes zu Tage förderte.

Nach Schätzung der Experten schwimmen im Mittelmeer 500 Tonnen winziger Plastikteilchen aus Abfällen, werden von Algen besiedelt, dienen Plankton und damit Fischen als Nahrung, und landen so dann auch auf unseren Tellern. Nach Berechnungen des französischen Meeresforschungsinstituts Ifremer entspricht diese Menge etwa 250 Milliarden Partikeln mit einem Durchschnittsgewicht von 1,8 Milligramm.

Auch im Ärmelkanal und der Nordsee ist die Verschmutzung bereits weit vorangeschritten. Biologen um Jan van Franeker vom Institut für marine Ressourcen und Ökosystem-Studien im holländischen Wageningen untersuchten von 2003 bis 2007 den Mageninhalt von 1300 Eissturmvögeln. Das erschütternde Ergbenis: Nur bei fünf von 100 untersuchten Seevögeln fand man kein Plastik im Magen! Etwa die Hälfte der untersuchten Vögel hatte im Durchschnitt etwa 300 Milligramm Plastik im Magen, dabei am stärksten betroffen waren die Tiere im Ärmelkanal.

Mikroplastik: Kleine Partikel – große Gefahr

Sind die großen Plastikabfälle schon an sich furchtbar genug, so sind die besonders kleinen durch Brandung, UV-Licht und Wellen in Milliarden winziger Teilchen zerschlagenen oder als Zusatzstoffe produzierten Plastikteile oder Mikroplastik das absolute Grauen. Die teilweise mikroskopisch kleinen Kleinstteilchen enthalten extrem hohe Gift-Konzentrationen wie etwa DDT oder polychlorierte Biphenyle. Mikroplastikteile haben einen Durchmesser von weniger als fünf Millimeter. In mikroskopischer Größe kommen sie in Reinigungsmitteln, z.B. Waschmitteln, Hygiene- und Kosmetikprodukten oder Reinigungsstrahlern von den Herstellern gewollt in die Umwelt. Beim Waschen, z.B. von Kleidung aus Fleece entstehen sie ungewollt. Gängige Waschmaschinen und Kläranlagen sind technisch derzeit nicht in der Lage, die gefährliche Fracht aufzuhalten.

Forscher fanden heraus, dass die winzigen Kunststoffteilchen wie Magnete auf Toxine wirken und die Giftstoffe in Konzentrationen akkumulieren, die tausende Male höher sind als im umgebenden Wasser. Gelangen diese Kleinsteile in den Nahrungskreislauf, dann wird es gefährlich, sehr gefährlich. So hat die Gesundheitsbehörde der Färöer-Inseln mittlerweile dazu aufgerufen, ab sofort kein Fleisch von den weit oben im marinen Nahrungsnetz stehenden Grindwalen mehr zu verzehren, da es aufgrund der hohen Konzentration an Giftstoffen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist.

Neue Gefahr: Mikroplastik aus arktischem Eis

Eingeschlossen im arktischen Eis schlummert eine tickende Zeitbombe. Bei der Analyse von Eisbohrkernen fanden Forscher große Mengen an dort eingelagertem Mikroplastik. Mit dem vom Klimawandel befeuerten Schmelzen des arktischen Eises werden diese Partikel in den kommenden Jahren die Ozeane zusätzlich belasten. 

Das Ausmaß dieser noch schlummernden Katastrophe ist derzeit nicht abschätzbar, man muss wohl von mehreren Millionen Tonnen Plastik ausgehen, die wieder in die Umwelt gelangen werden. Im Schnitt sollen in jedem Kubikmeter Eis doppelt so hohe Konzentrationen an Plastikpartikeln eingeschlossen sein wie im gleichen Volumen an Wasser im großen pazifischen Müllstrudel, dem „Great Pazific Garbage Patch“. Das „Plastik-aus-dem-Eis-Phänomen“ erinnert an das Auftreten von Schadstoffen wie DDT in der Arktis, obwohl diese dort nie eingesetzt wurden. Wind und Meeresströmungen hatten die Umweltgifte in die Region verfrachtet, wo sie sich im Eis anreicherten.

Die Quelle muss versiegen

Sind Plastikabfälle erst einmal im Meer, dann bleiben sie auch da. Keine Nation, keine Organisation auf der Welt hat die finanziellen Möglichkeiten, den Abfall wieder zu entfernen, was auch gar nicht so einfach wäre, will man nicht gleichzeitig den Milliarden von Kleinstlebewesen, die im Plastik-Müllstrom mitschwimmen, den Garaus machen. Lokal können Strandsäuberungsaktionen immerhin helfen, die Abfalllast ein wenig zu verringern, eindämmen lässt sich das Problem damit aber nicht.

Zwar arbeiten Forscher an Plastik, das sich in Salzwasser auflöst oder schneller versinkt, entscheidend für die Zukunft des Lebens in den Ozeanen und schlussendlich auch für unser Überleben ist aber, die Einträge von Plastikmüll schnell und drastisch zu reduzieren. Entweder über Verbote, wie das Verbot von Plastiktüten in Australien oder möglichst effektives Recycling.

Chemikalien vergiften die Meere

In unseren Meeren findet sich mittlerweile ein Cocktail aus weit über 100.000 industriell produzierter Chemikalien. Viele dieser Stoffe reichern sich über die Nahrungskette von Plankton zu Delfinen zu millionenfach erhöhten Konzentrationen an. Insbesondere fettlösliche Substanzen bergen dabei ein großes Risiko.

Manche dieser Schadstoffe sind persistent, d. h. sie können nicht abgebaut werden und bleiben ewig in der Meeresumwelt. Dazu gehören Pestizide wie DDT oder die als Flammschutzmittel bekannt gewordenen PCBs (polychlorierte Biphenyle).

Auch Schwermetalle werden in der Umwelt nicht abgebaut. Diese Stoffe beeinträchtigen das Immunsystem, die Fortpflanzung und die Gesundheit der Tiere. Gegen Ende des Jahres 2008 rief die Gesundheitsbehörde der Färöer-Inseln dazu auf, ab sofort kein Fleisch von Grindwalen mehr zu verzehren, da es aufgrund der hohen Konzentration an Giftstoffen nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sei. Grindwalfleisch ist eigentlich Sondermüll, vollgestopft mit Umweltgiften wie Quecksilber, PCB (polychlorierte Biphenyle), Kadmium und Pestiziden wie Dieldrin, die sich bei den am Ende der Nahrungskette stehenden Zahnwalen im Körper anreichern. Insbesondere der extrem hohe Quecksilbergehalt verursacht bleibende Schäden beim Menschen.

Ersatz von Problemstoffen durch neue Problemstoffe

Bis zum Verbot in Industrieländern in den 1970er Jahren wurde das Insektenvertilgungsmittel DDT in Land- und Forstwirtschaft und Haushalten arglos eingesetzt. Man findet es mittlerweile überall auf der Welt, selbst in abgelegenen Wildnisgebieten wie der Antarktis, obwohl es dort nie zum Einsatz kam.

Gemäß der Stockholmer Konvention darf DDT seit 2004 weltweit nur noch zur Bekämpfung der Malariamücken verwendet werden. Doch da liegt der „Delfin im Pfeffer“. Die Weltgesundheitsorganisation WHO forderte im September 2006 eine Renaissance des DDT, das nicht nur krebserregend ist, sondern bei Tieren zusammen mit PCB zu Unfruchtbarkeit geführt hat (z. B. Kegelrobben, Seeadler und Wanderfalken).

Mit der Stockholmer Konvention ist seit 2004 ein Verbot von PCBs in Kraft. Die Konvention bezieht sich auf 12 der schädlichsten persistenten Schadstoffe. PCB und die anderen verbotenen Substanzen werden jedoch noch Jahrzehnte in der Nahrungskette verbleiben. Viele andere nicht minder schädliche Stoffe bleiben weiterhin zugelassen. Neuentwickelte Chemikalien sind oft nicht hinreichend auf ihre Umweltwirkungen untersucht. Als Ersatz für verbotene Substanzen erdacht, reichern sie sich ebenfalls in Meeressäugern stark an. Dazu gehören vor allem einige Weichmacher, Flammschutzmittel und Pestizide.

Feuerfeste Schwertwale

Von einigen Substanzen findet man seit Jahren steigende Konzentrationen in der Nahrungskette. Von den in Elektrogeräten verwendeten Flammschutzmittel PBDE (polybromierte Diphenylether) hat man z. B. erhebliche Konzentrationen in Schwertwalen im Nordpazifik gefunden. Einige Substanzen dieser Stoffklasse wirken auf das Hormonsystem und damit auf Fortpflanzung und Immunsystem und erzeugen Krebs.

Fruchtschädigendes Spielzeug

Auch Weichmacher in Kunststoffen wie Chlorparaffine und Phthalate sind giftig und krebserregend. Besonders problematisch ist das fruchtschädigende und fruchtbarkeitsschädigende Diethylhexylphthalat (DEHP), das sich unter anderem in PVC-Fußböden und paradoxerweise in Sexspielzeug sowie Kinderspielzeug findet. DEHP greift schon in geringen Konzentrationen in das Hormonsystem von Tier und Mensch ein.

Brunnenvergiftung leicht gemacht

Pestizide sind Gifte, die ganz gezielt in die Umwelt ausgebracht werden. Mit der „guten fachlichen Praxis“ in der konventionellen Landwirtschaft wird heute die Brunnen- und Gewässervergiftung legalisiert. Zwar durchlaufen Pestizide in der EU ein aufwändiges Prüfungsverfahren, aber immer wieder wird bei bereits zugelassenen Chemikalien deren Schädlichkeit für die Umwelt festgestellt – wenn es schon zu spät ist. Bis zu einem Verbot ist es dann ein langer Weg. Und selbst dann lassen sich verbotene Pestizide leicht in Nachbarländern kaufen.

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