Schwimmen mit wilden Delfinen – Massentourismus vertreibt Delfine aus ihrem Lebensraum!

von | 31. Juli 2019 | News - Rotes Meer

Hurghada-Patendelfine und ihre Artgenossen sind in Gefahr – Schwimmen mit wilden Delfinen führt zur Flucht der Meeressäuger

Das kommerziell vermarktete „Schwimmen mit wilden Delfinen“ ist vor Hurghada oder beim Sataya-Riff zu einer außerordentlich beliebten Touristenattraktion geworden. Delfintouren werden von einer Vielzahl von Agenturen angeboten. Dieser Delfin-Massentourismus wächst seit Jahren und nimmt erschreckende Maßstäbe an. Mittlerweile gefährdet das „Schwimmen mit Delfinen“ im Roten Meer aber das Überleben der Meeressäuger, oder vertreibt die neugierigen Tiere aus ihrem Lebensraum. Von uns geforderte Richtlinien werden missachtet. Die Tiere werden regelrechten Hetzjagden ausgesetzt. Urlauber dürfen ihre Verantwortung, aufgrund eigener Bedürfnisse, gegenüber dem Wohl der bedrohten Lebewesen nicht einfach abgeben! Wir fordern ein Verbot des unregulierten Massentourismus, und appellieren an alle Urlauber auf das Schwimmen mit wilden Delfinen zu verzichten!

Billige Touren werden vor Ort gebucht

Verantwortungsbewusste Tourenanbieter wie z.B. FTI Touristik gingen mit gutem Beispiel voran. Sie strichen die Ausflüge “Schwimmen mit wilden Delfinen“ in Hurghada aus ihrem Angebot. Doch was nützt es, wenn angeblich nachhaltige Reiseveranstalter diese Freizeitaktivitäten in ihren Katalogen nicht mehr anbieten? Touristen, darunter auch sehr viele Deutsche, können direkt zu Anbietern vor Ort gehen und sich eine erschwingliche „Schwimmen mit wilden Delfinen“ Tour buchen!

Der Versuch Grenzen zu setzen gescheitert: Schutzzonen zwecklos

Unsere Delfin- und Meeresschutzarbeit verfolgt das Ziel, dem Massentourismus in Hurghada Grenzen zu setzen, um die residenten Delfinpopulationen zu schützen. Unsere Projektpartnerin Angela Ziltener, Biologin der Schweizer Organisation Dolphin Watch Alliance, setzt sich seit Jahren für einen tierverträglichen Delfin-Tourismus in Ägypten ein. Gesetzliche Vorschriften für den Schutz der Meeressäuger fehlten ursprünglich in Ägypten.

Die Skipper der Tourenanbieter wurden persönlich von der Biologin für einen tierverträglichen bzw. nachhaltigen Tourismus geschult. Ein verbindlicher „Verhaltenscodex“ wurde eingeführt. Mit unserer Hilfe und Ihrer Unterstützung wurden 2017 eigens Schutzzonen vor Hurghada und El Gouna errichtet. Alles offenbar zwecklos. Die meisten Veranstalter halten sich nicht an den verbindlichen „Code of Conduct“. Noch respektieren sie die eingerichteten Schutz- und Ruhezonen für die Delfine.

2017 errichtete Schutzzonen

Bojen der Schutzzonen wurden entfernt

Die Schutzzonen werden nicht nur ignoriert, nein, die angebrachten Markierungsbojen wurden entfernt: „Keine einzige Boje ist mehr übrig“, berichtet Angela Ziltener von Dolphin Watch Alliance (DWA) traurig. „Wenn ich nicht persönlich vor Ort bin, werden alle vorgeschriebenen Regeln missachtet“, sagt Angela Ziltener verbittert. „Ich selbst kann aber nicht immer vor Ort sein und eingreifen, die Ägypter müssen selbst den unbezahlbaren Wert der gefährdeten Delfinpopulationen erkennen. Ägypten muss das Zepter in die Hand nehmen und dafür sorgen, dass die Meeressäuger besser geschützt werden!“

Fotocredit: DWA

Patendelfine werden gejagt

Vor einigen Wochen sah die Biologin der DWA wie die GRD-Patendelfine von 32 Tourenbooten einer Hetzjagd ausgeliefert wurden. Die Boote verfolgten die Delfine, in der für die Meeressäuger wichtigen Ruhezeit. Das heißt in der Zeit, wo Delfine eigentlich schlafen und nicht gestört werden dürfen. Die Tiere brauchen genauso wie wir, ihren Schlaf, um ihre Energiereserven z.B. für die überlebensnotwendige Nahrungssuche, wieder aufzufüllen. Angela sah wie Ferdinand mit ihrem Baby Fee gehetzt wurden! Auch ein anderer Delfin namens Aisha entdeckte die Biologin mit ihrem noch jungen Sohn und einem weiteren, kleinen halbwüchsigen Delfin. Alle wurden von Booten gejagt.

Wo ist Magic?

Magic, eine im Jahr 2013 geborene Delfindame und GRD-Patendelfin, wurde schon länger nicht mehr gesehen! Man darf zwar nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen, aber vermutlich ist das Verschwinden des beliebten GRD-Patendelfins erst der Anfang der vielen möglichen Folgen des ausufernden Massentourismus! Untersuchungen haben ergeben, dass Delfine in Gegenden, in denen viele kommerzielle Schwimmtouren und andere Aktivitäten stattfinden, ihren natürlichen Lebensraum verlassen, um ruhigere Gebiete aufzusuchen! Ein natürlicher Selbsterhaltungstrieb!

Fotocredit: Angela Ziltener

Immer mehr Augenzeugen bitten um unsere Unterstützung

Wir bekommen regelmäßig Video- und Fotomaterial von anonymen Augenzeugen aus dem Roten Meer zugespielt. Die Videos zeigen die verheerenden Zustände bei den Delfintouren in Hurghada. Die Hetzjagden gefährden zum einen die Meeressäuger, zum anderen auch die Touristen, die an den Billigtouren teilnehmen. Die Urlauber gefährden damit ihr eigenes Überleben.

Auf den Bildern sind ungeübte Schnorchler ohne Schwimmwesten zu sehen. Checkdives der Safariboote finden inmitten einer von Speedbooten und Schlauchbooten befahrenen Meeresfläche statt. 2018 wurde eine 19-Jährige, deutsche Touristin, in eine laufende Schiffsschraube gezogen und erlitt schwere Verletzungen an Kopf und Körper. „Selber Schuld“ werden sich jetzt viele denken, denn sie hat sich selbst für diesen Ausflug entschieden.

Meeressäuger haben nicht immer die Wahl unmittelbar zu entscheiden, ob sie an einer Delfin Tour teilnehmen möchten, oder nicht! Sie werden umzingelt, eingekesselt, gejagt. Ihre Körper von Schiffsschrauben zerschnitten! Mit magischen Momenten hat dieser Massentourismus nichts mehr zu tun. Weder für Mensch noch Tier!

Schwimmen mit wilden Delfinen

Schwimmen mit wilden Delfinen ist zweifellos eine magische, und für einige Menschen eine lebensbejahende Erfahrung. Aber viele Begegnungen mit wilden Delfinen, so wie sie derzeit in Hurghada stattfinden, sind für die Tiere sehr schädlich. Die Meersäuger müssen wertvolle Energie verschwenden, um den Booten zu entkommen, obwohl sie die Energie eigentlich für sich selbst und ihren Nachwuchs bräuchten. Sie sind zunehmend erschöpft, ruhelos und stehen unter enormem Stress.

Das schlägt sich auf ihre biologische Fitness nieder. Unseren Patendelfinen bleibt nur die Möglichkeit sich von dem Gebiet abzuwenden. Die magischen Momente bei Delfin-Mensch-Begegnungen sind diejenigen, die meist zufällig und ungezwungen sind und auf absoluter Freiwilligkeit beruhen.

Wir wünschen uns, dass für das Schwimmen mit wilden Delfinen in Hurghada bald ein Verbot ausgesprochen wird, und bis dahin appellieren wir an alle Urlauber auf die Angebote der profitgierigen Tourenanbieter zu verzichten! Zum Wohl der Tiere und der Menschen!
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Helfen Sie den Delfinen aus dem Roten Meer jetzt mit Ihrer Patenschaft

Ferdinand-Destiny

Ferdinand-Destiny überlebte einen Haiangriff. Schwer verwundet suchte sie Schutz bei Tauchern. Als die Wunden heilten, kehrte sie zu ihrer Gruppe zurück, ihr Interesse an Menschen blieb.

Fee

Fee ist die jüngste Tochter von Ferdinand-Destiny. Sie wurde im Juni 2016 geboren.

Magic

Magic wurde im Juli 2013 geboren. Als sie ein paar Monate alt war, verhedderte sie sich in einer Angelschnur, die ihr tief ins Fleisch schnitt. Eines Tages war die tödliche Gefahr wie durch ein Wunder verschwunden.

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