Australischer Umweltminister opfert Delfine für den Tourismus

von | 5. Dezember 2016 | News - Delfine

Delfine, Seekühe, Rochen und Haie zum Tode verurteilt

Josh Frydenberg, neuer australischer Umweltminister, hat mit einer Sondererlaubnis das Stellen von bis zu zehn Hainetzen an fünf Stränden entlang der Nordküste des Bundesstaates New South Wales ermöglicht. Frydenberg, der mit seiner Entscheidung die lokale Tourismusindustrie stützen möchte, verurteilt damit unzählige bedrohte Meerestierarten, darunter Delfine, Haie und Meeresschildkröten, zu einem sinnlosen und grausamen Tod. Wir haben Josh Frydenberg aufgefordert, die Sondererlaubnis für mehr Hainetze in Australien aus Artenschutzgründen unverzüglich rückgängig zu machen und sich stattdessen für nicht-tödliche Haischutzmaßnahmen einzusetzen.

Hainetze töten unterschiedslos

Mit sogenannten Hainetzen wird in Australien, Südafrika oder Brasilien versucht, Schwimmer oder Surfer vor Angriffen großer Haie zu schützen. Es handelt sich um vor der Küste angebrachte tödliche Fallen aus jenseits der Brandung parallel zur Küste ausgebrachten Stellnetzen. In Australien sind sie jeweils ca. 150 Meter lang, vier bis sechs Meter hoch und unter der Wasseroberfläche treibend in sieben bis zehn Meter tiefem Wasser verankert.

Meist fangen die Netze jedoch für den Menschen völlig harmlose Tiere (in Australien bis zu 80 Prozent), wie Delfine, kleinere Haie, Rochen, Meeresschildkröten oder Seekühe – und das in großer Zahl, darunter auch vom Aussterben bedrohte und geschützte Arten.

Toter Bullenhai in Hainetz. Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank.

Entscheidung im "nationalen Interesse"

Das Stellen neuer Hainetze ist nach den Bestimmungen des australischen Umweltschutz- und Biodiversitätsschutzgesetzes nicht erlaubt. Frydenberg ermöglichte es nun mit einer Sondererlaubnis im “nationalen Interesse”, wie “The Guardian Australia” berichtet, um die lokale Tourismusindustrie und die beliebten “Nipper Clubs” zu schützen.

“Nippers” sind ein in Australien und Südafrika beliebter Sport, bei dem Kinder zwischen fünf und 14 Jahren von Rettungssportclubs in Wettbewerben spielerisch an den Stränden einerseits als Lebensretter angelernt und andererseits mit den Gefahren von Wetter, Brandung, Quallen und Felsen vertraut gemacht werden.

Negative Auswirkungen auf bedrohte Arten werden in Kauf genommen

Das neue Hainetz-Programm wurde gegen starke lokale Proteste nach dem dritten tödlichen Haiangriff vor New South Wales in den letzten 12 Monaten von Niall Blair, Minister für Industrie, Land und Wasser des Bundesstaates, initiiert, wie “The Guardian” schreibt.

Laut Umweltminister Frydenberg spült die Tourismusindustrie jährlich viele Millionen Dollar ins Land, dies sei auch durch den starken Widerhall, den Haiangriffe in den Medien finden, gefährdet. Nach Hai-Angriffen mussten einige Strände in New South Wales mehrere Tage geschlossen werden. Es habe bereits Rückgänge bei den Buchungen für die “Nipper Clubs” und Strandurlaubern gegeben. Frydenberg nimmt in Kauf, so “The Guardian”, dass das Stellen der Hainetze auch Auswirkungen auf bedrohte Arten, wie Sandtigerhaie und Delfine haben wird.

Das Hainetz (weiße Markierung) vor Bondi Beach konnte den Haiangriff nicht verhindern (roter Punkt).

Wirkungsloser Schutz?

In New South Wales stehen derzeit an 51 Stränden Hainetze. Haiangriffe können sie dennoch nicht gänzlich verhindern, denn es ist nur allzu leicht, seitlich an den Stellnetzen vorbei oder unterhalb von ihnen durchzuschwimmen.

Die neuen Todesstrände in New South Wales für Delfine, Seekühe, Haie, Rochen oder Meeresschildkröten sind: Lighthouse Beach, Sharpes Beach, Shelly Beach nahe Ballina, Seven Mile Beach bei Lennox Head and Evans Head Beach.

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